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25.05.2008 18:59
Neuer Armutsbericht für DeutschlandLaut den offiziellen Zahlen von SPD-Sozialminister Scholz leben knapp 13% der Deutschen unter der Armutsgrenze; eine Statistik, die selbst in der Bundespolitik als “geschönt” bezeichnet werden.So gilt ein Einkommen von 781 Euro als Armutsgrenze, beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung beginnt diese Grenze allerdings schon bei 870 Euro. Nur in einem ist man sich einig: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer und die Mittelschicht schrumpft immer mehr in Richtung Armut ab. Viele Deutsche überschreiten die Armutsgrenze nur durch Hilfe von Sozialtransfers wie Arbeitslosengeld, Wohn- oder Kindergeld, da das Einkommen durch Arbeit längst nicht mehr reicht. Ohne diese Sozialransfers errechnet selbst Scholz, daß 26% der Deutschen unter der Armutsgrenze leben würden. ![]()
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12.02.2008 11:05
Berliner Links-Senat empfiehlt Unterernährung1800 Kalorien - das ist die tägliche Kalorienzufuhr mit der Arbeitslose in Berlin künftig auskommen sollen. Finanzsenator Sarrazin, SPD hält damit eine Nahrungsenergiemenge für Arbeitslose ausreichend, die - zufällig ? - exakt der Kalorienzufuhr für die Berliner in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 entspricht. Laut Ernährungswissenschaft liegt der tägliche Kalorienbedarf einer erwachsenen Frau oder eines erwachsenen Mannes bei leichter körperlicher Tätigkeit zwischen 2300 und 2900 Kalorien. Die von Zarrazin für ausreichend befundene Menge würde auf längere Zeit zur Unterernährung der Betroffenen führen.![]() Wie die Berliner Boulevardzeitung BZ in einem Bericht am Samstag mitteilte, sieht Sarrazins Vorschlag für die Ernährung von Hartz IV-Empfängern auch einen exakten Speiseplan vor, den die BZ mit Bildern illustrierte. Laut “BZ” soll eine Mitarbeiterin des Finanzsenators sich auf dessen Geheiß auf den Weg zum Preis-Check bei einem Billig-Discounter gemacht haben, um einen 3-Tages-Menü-Plan zu erstellen. Mit dem im Auftrag des Finanzsenators Thilo Sarrazin in der “BZ” veröffentlichten Speiseplan soll beispielhaft belegt werden, dass der Hartz-IV-Regelsatz in Höhe von 4,25 € pro Tag ausreichend sei für eine ausgewogene Ernährung. Obwohl Sarrazin nach eigener Aussage “niemandem vorschreiben will, was er essen soll”, listet das Ergebnis detailliert auf, was zum Frühstück, Mittag- und Abendessen verzehrt werden darf, um unter der verordneten Preisgrenze von 4,25 € pro Tag zu bleiben: Da wird unter anderem der Vorschlag gemacht, eine Bratwurst für 38 Cent zu verzehren oder sich eine frische Gemüsesuppe mit 80 Gramm Fleischeinlage für insgesamt 1,35 € zuzubereiten. Sparen bis es quietscht, hatte Wowereit bei Regierungsantritt von PDS und SPD in Berlin angeordnet. Und es quietschte. Laut BZ ist Sarrazin der Mann, "der die Berliner Finanzen in Ordnung bringt", Er "ist der beste Mann des Regierenden Klaus Wowereit." "Als Sparkommissar hat sich Sarrazin bundesweit einen Namen gemacht." Die Opfer dieser Sparpolitik sind bekannt: Kinder, Jugendliche, Eltern, Arbeitslose, Kranke, Alte, Arme. ![]() 4,25 Euro am TagHartz-IV-Speiseplan im PraxistestAllen Hartz-IV-Empfängern müsste es wie ein Geschenk des Himmels
vorkommen: Da gibt es einen Politiker, der ihnen sagt, wie sie mit
ihrem Geld auskommen können. Mehr noch, nach einer Auflistung bleiben
täglich sogar 49 bis 27 Cent des täglichen Regelsatzes von 4,25 Euro
übrig. 4,25 Euro sind nach dem Regelsatz für einen erwachsenen
Hartz-IV-Empfänger als Ernährungsgeld vorgesehen. Berlins Finanzsenator
Thilo Sarrazin (SPD, siehe Foto oben) hat zusammen mit seiner Behörde einen Speiseplan
für einen Ein-Personen-Haushalt erstellt, um allen zu zeigen, dass
dieser Essenzuschuss für Hartz-IV-Empfänger völlig in Ordnung ist. "Mit
dem Transfereinkommen kann sich jeder völlig gesund, wertstoffreich und
vollständig ernähren", sagt Thilo Sarrazin und untermauert seine These
mit Preisen aus Discounterläden.
Sarrazins Drei-Tage-Menüplan sieht pro Tag drei Mahlzeiten vor. Auf den ersten Blick erscheinen die Ernährungsvorschläge des Senators plausibel und preisgerecht - allerdings nur auf den ersten Blick, denn die Praxis sieht völlig anders aus. Da wird eben nicht scheibchenweise Wurst oder Leberkäse verkauft, der halbe Kohlrabi abgewogen und das Sauerkraut grammweise in die Tüte gesteckt. Kein Discounter bietet diese geringen Mengen an, sondern der Kunde wird zum Kauf größerer Mengen gezwungen. Das mag noch für Familien positiv sein, für einen Einzelnen jedoch nicht. Im Gegenteil: Darf der Hartz-IV-Empfänger nach Sarrazins Speiseplan eine Bratwurst essen, muss die Packung mit den übrigen fünf Würsten aufbewahrt werden. Die Alternative wäre, dass man sechs Tage hintereinander Bratwurst isst, oder nach drei Tagen die Segel streicht und den Rest in den Abfall gibt. Schon hier würde Sarrazins Plan nicht mehr aufgehen, denn die Bratwurst mit veranschlagten 38 Cent würde auf einen Schlag 1,14 Euro kosten. Ähnlich jedem Hartz-IV-Empfänger muss zunächst der Einkaufswagen gefüllt werden, damit "Tag drei" mit der gesamten Mahlzeitensumme von 3,76 Euro überhaupt möglich wird. So stapelten sich im Korb von Aldi bald die Zutaten für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Natürlich gab es hier außer den Tomaten nichts einzeln zu kaufen, keine 20 Gramm Butter, keine 150 Gramm Sauerkraut und keine Scheibe Schinken. Schließlich mussten an der Kasse 15,27 Euro gezahlt werden. Beim Sarrazin-Test wird es nicht anders gewesen sein, und so rechnete seine Behörde die Lebensmittel in Verbrauchstage um. Fazit ist, dass es so einfach nicht geht. Zwar wird man vom Tages-Menü satt, doch wer will schon tagelang das gekaufte Einerlei auf dem Teller haben? Zudem werden die Lebensmittel kaum frischer, wenn sie Tage lagern. Gesunde Ernährung sieht anders aus, da hilft auch nicht die von Thilo Sarrazin verordnete Mandarine zum Frühstück. Was sagen Hartz-IV-Empfänger?Hartz-IV-Empfänger, die im Sarrazin-Speiseplan keine Hilfe beim Einkauf sehen, im Gegenteil, denn für sie "ist das typisch für Politiker": "Für drei Tage kann ich auch Pläne machen und sogar danach leben, wenn ich danach wieder Fettlebe habe", sagt Hannelore Beer-Schürrle (56) bitter. Nach ihrer Scheidung vor einigen Jahren sei sie in Hartz IV gerutscht und muss mit den 128 Euro Ernährungsgeld im Monat auskommen. "Das schaffe ich nur, weil ich im Preis herabgesetzte Lebensmittel kaufe, die kurz vor dem Verfallsdatum sind." So spart die Neuköllnerin immer mal ein paar Euro, die sie für Katzenfutter benötigt. Waltraut Cygon (68) hat noch weniger Geld zur Verfügung, da sie ihren kranken Sohn auch noch mit versorgen muss. Tränen steigen ihr in die Augen, als sie von ihrem Schicksal erzählt. "Wenn ich wenigstens vier Euro pro Tag zum Leben hätte", klagt sie. Sie komme nur deshalb über die Runden, weil Nachbarn sie zusätzlich mit Lebensmitteln versorgten. "Das sind Laubenpieper, die geben mir oft Eingemachtes. Das hilft weiter." Empört zeigte sich Rentner Edgar Rietz (82) über den Speiseplan. "Mir geht es zwar gut, aber dieser Sarrazin-Speiseplan ist purer Zynismus."
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